Drohnendetektion für kritische Infrastrukturen
Radarbasierte Erkennung kleiner, nicht kooperativer Drohnen für sensible Unternehmensstandorte, Industrieanlagen und ausgewählte Anwendungen im Umfeld kritischer Infrastruktur.
Einordnung vorweg
Ozense ist ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Das System ist nicht KRITIS-zertifiziert, nicht für einen bestimmten Anlagentyp freigegeben und erfüllt keine gesetzlich vorgeschriebene Zertifizierung. Diese Seite beschreibt einen Anwendungsbereich, für den entwickelt wird – keine verfügbare Lösung.
Kleine, nicht kooperative Drohnen sind billig, leise und leicht zu beschaffen. Für Industrie-, Energie-, Forschungs- und andere sensible Standorte ergeben sich daraus mehrere Wirkungen, die keine Waffenwirkung voraussetzen:
- Ausspähung. Anlagenlayout, Prototypen, Baufortschritt, Zaunverlauf, Zufahrten und Schichtwechsel lassen sich aus der Luft dokumentieren.
- Störung des Betriebs. Schon der begründete Verdacht auf eine Drohne kann Arbeiten unterbrechen, Bereiche räumen oder Abläufe verzögern.
- Vorbereitungshandlung. Eine Überfliegung kann einer späteren Handlung am Boden vorausgehen.
- Unklare Zuständigkeit. Wer beim Sichten einer Drohne was tun darf, ist für viele Sicherheitsorganisationen nicht eindeutig geklärt.
Gemeinsam ist diesen Fällen: Der Betreiber erfährt in der Regel überhaupt nicht, dass etwas stattgefunden hat. Ohne Detektion gibt es keine Sichtung, ohne Sichtung keine Dokumentation und ohne Dokumentation keine belastbare Risikoeinschätzung.
Für die Detektionsebene gibt es im Wesentlichen drei Sensorprinzipien, die sich in ihren blinden Flecken unterscheiden:
| Prinzip | Erkennt | Blinder Fleck |
|---|---|---|
| Remote ID | Drohnen, die ihre Kennung senden | alles, was nicht sendet oder nicht senden will |
| Passive RF-Detektion | Funkverbindung zwischen Drohne und Pilot | autonome Wegpunktflüge ohne Funkstrecke |
| Kamera / Optik | das Objekt im Bild, mit Beweischarakter | Dunkelheit, Sichttrübung, falsche Ausrichtung, zu kleines Objekt |
| Radar | das Objekt selbst, mit Entfernung und Geschwindigkeit | geringer Radarquerschnitt, Abschattung, Clutter – und die Frage, was reflektiert |
Radar ist deshalb kein Ersatz für die anderen Verfahren, sondern schließt deren größte Lücke: Es braucht weder ein Funksignal noch sichtbares Licht und liefert gleichzeitig die Ortsinformation, mit der sich eine Kamera überhaupt erst sinnvoll ausrichten lässt. Der Preis dafür ist, dass Radar allein nicht sagt, was dort fliegt – genau daran arbeitet Ozense.
Detektion und Alarmbewertung sollen vollständig am Standort laufen, auf einer Edge-Einheit je Radarknoten. Für sensible Standorte hat das mehrere praktische Konsequenzen:
- Keine Cloud-Pflicht für den Detektionsbetrieb. Die Verfügbarkeit hängt nicht an einer Internetverbindung.
- Keine Rohdatenübertragung über das Standortnetz im aktuellen Architekturentwurf.
- Datenminimierung wird erleichtert. Der Radarkanal erzeugt keine Bilder; eine Kamera ist nur ereignisgesteuert vorgesehen, keine dauerhafte Videoaufzeichnung.
- Kürzere Latenz zwischen Detektion und Alarm.
Daraus folgt ausdrücklich keine pauschale DSGVO-Konformität. Radardaten können in Verbindung mit weiteren Informationen personenbeziehbar werden, und Rechtsgrundlage, Blickfeld, Speicherdauer, Zugriffe und Löschkonzept bleiben je Installation zu prüfen. Lokale, ereignisbezogene Verarbeitung erleichtert diese Prüfung – sie ersetzt sie nicht.
Radar erzeugt Kandidaten, der Tracker macht daraus zeitlich stabile Tracks, die Gültigkeitsprüfung verwirft Clutter und Artefakte, und erst danach wird ein gültiger Track semantisch bewertet. Reicht die Evidenz nicht, lautet das Ergebnis Unknown. Nur bei einem relevanten Kandidaten soll eine vorhandene PTZ-Kamera ausgerichtet werden, sofern Sicht und Zielgeometrie das zulassen.
Jede Stufe reduziert das Alarmaufkommen an der nächsten. Diese Kette wird nicht mit einem einzelnen Modellwert beschrieben, sondern stufenweise gemessen – vom Rohkandidaten bis zu dem, was am Ende tatsächlich in der Leitstelle angezeigt wird. Details zur Verarbeitungskette.
Ein Alarm ist nur dann etwas wert, wenn jemand ihn empfängt und darauf reagieren darf. Die Zielarchitektur sieht deshalb vor, Ereignisse in die vorhandene Sicherheitstechnik zu übergeben statt eine parallele Insellösung aufzubauen: ein zeitgestempeltes Vorfallspaket aus Track, gegebenenfalls Bildmaterial, Konfidenz sowie Konfigurations- und Versionszustand, übergeben an VMS, Gefahrenmanagement oder Leitstelle.
Über die Reaktion entscheidet ausschließlich der Betreiber: beobachten, dokumentieren, Hausrecht ausüben, melden oder an zuständige Stellen übergeben. Ozense führt keine Neutralisierung durch und stellt keine Eingriffsbefugnis her.
Ein bestimmter VMS-Hersteller und eine Liste kompatibler PTZ-Modelle sind bislang nicht festgelegt; die produktive Integration ist Gegenstand der Förderphase.
Was heute existiert
- Funktionsfähiger Radar-Capture- und Auswertungsstack
- Detektion und Tracking bewegter Kandidaten
- Vorregistrierte, reproduzierbare Auswertekette
- Belastbares Feld-Tracking bisher eher 14–20 m
- Aktueller Claim:
possible moving drone candidate
Gegenstand der Forschung
- Robuste Drohne/Vogel/Clutter-Bewertung im Feld
- Freigegebene Produktreichweite
- Fehlalarmverhalten über lange reale Betriebszeiten
- PTZ-Cueing und VMS end-to-end im Feld
- Wetter-, Radom- und Montageeinflüsse
- Serienfähige Hardware und Produktfreigabe
Die vollständige Herleitung, insbesondere der Unterschied zwischen Abtastgrenze, Modellprognose und realem Feldergebnis, steht unter Validierung und Entwicklungsstand.
Das KRITIS-Dachgesetz ist seit dem 17. März 2026 in Kraft. Es nennt Umgebungsüberwachung und Detektionsgeräte als mögliche Resilienzmaßnahmen und ermöglicht risikobasiert angeforderte Nachweise. Registrierung und Fristen hängen an der konkreten Einstufung der jeweiligen Anlage; daraus folgt kein einheitlicher Termin für alle Betreiber.
Was daraus nicht folgt: eine pauschale gesetzliche Pflicht, ein Drohnenradar zu beschaffen. Der Bedarf ist je Standort aus Risikoanalyse und Verhältnismäßigkeit zu begründen. Regulatorik kann den Nachweisdruck erhöhen, ersetzt aber keine Prüfung des konkreten Einzelfalls.
Für den Betrieb selbst gilt: Die Allgemeinzuteilung für Kfz-Kurzstreckenradare begründet keine automatische Zulässigkeit eines ortsfesten Betriebs. Die Frequenzklärung wird getrennt geführt für eigene Forschung, ortsfesten Pilotbetrieb auf fremdem Gelände und späteren Produktbetrieb; ein Antrag für die Forschungsnutzung liegt bei der Bundesnetzagentur vor, eine Rückmeldung steht aus.
Ein Detektionssystem, dessen Leistung niemand nachprüfen kann, ist für eine Sicherheitsorganisation schwer zu bewerten. Ozense entwickelt deshalb ein Nachweismodul mit dem Arbeitsnamen FlightAssure: vorregistrierte Funktions- und Abnahmetests, Ground-Truth-gebundene Auswertung mit Konfidenzintervallen, definierte Unknown- und Degradationspfade, Daten-, Modell-, Konfigurations- und Softwareprovenienz sowie wiederholbare Prüfungen nach Update, Wartung oder Standortänderung. Als methodische Orientierung dient der EU-Prä-Standard CWA 18150 / COURAGEOUS.
FlightAssure ersetzt keine gesetzlich vorgeschriebene Zertifizierung und keine standortspezifische Compliance-Prüfung. Es sichert auch keine Feld-Fehlalarmrate zu, sondern macht die jeweils gemessene Leistung und ihre Grenzen nachvollziehbar.
Anwendungsfall besprechen?
Für die Entwicklung sind reale Schutzgeometrien, Anflugsektoren und Reaktionsprozesse wertvoller als jede Marktstudie. Auch ein Gespräch ohne Pilotabsicht hilft weiter.
Anwendungsfall besprechen