Nachschlagewerk
Radar- und Counter-UAS-Glossar
Fachbegriffe der Drohnendetektion und Radarsignalverarbeitung, kurz erklärt. Die Einträge beschreiben allgemeine Verfahren und Kennzahlen, nicht die gemessene Leistung des Ozense-Systems.
Beamforming
Radar
Elektronische Lenkung des Radarstrahls durch Phasenverschiebung an mehreren Antennenelementen. Ermöglicht das Scannen ohne bewegliche Teile.
FMCW
Radar
Frequency Modulated Continuous Wave. Ein Radarverfahren, bei dem die Sendefrequenz kontinuierlich moduliert wird (Chirp), um Entfernungen extrem präzise zu messen.
Micro-Doppler
Radar
Sekundäre Frequenzverschiebungen, verursacht durch die Vibrationen oder Rotation von Teilen eines Ziels (z.B. Drohnen-Propeller oder Vogelschwingen).
CNN (ConvNet)
AI / ML
Convolutional Neural Network. Eine KI-Architektur, die besonders gut Muster in visuellen Daten (wie Radarspektrogrammen) erkennen kann.
RCS
Physics
Radar Cross Section. Das Maß dafür, wie gut ein Objekt Radarwellen reflektiert. Eine DJI Mavic hat etwa 0.01 m², ein Mensch ca. 1 m².
GNSS Spoofing
Tactics
Aussenden gefälschter GPS-Signale, um Navigationssysteme von Drohnen zu täuschen und sie vom Kurs abzubringen oder zur Landung zu zwingen.
MIMO
Radar
Multiple Input Multiple Output. Nutzung mehrerer Sende- und Empfangsantennen zur Erhöhung der virtuellen Apertur und Winkelauflösung.
False Positive
AI / ML
Falschalarm. Das System meldet ein relevantes Objekt (Drohne), obwohl es sich um etwas anderes handelt (Vogel, Clutter, Artefakt). Micro-Doppler- und Trackmerkmale sind der Ansatz, dies zu reduzieren; die im Feld erreichbare Rate ist Gegenstand der Validierung.
C-UAS
Tactics
Counter Unmanned Aerial Systems. Der Überbegriff für alle Systeme zur Detektion, Verfolgung und Abwehr von Drohnen.
SNR
Physics
Signal-to-Noise Ratio. Das Verhältnis von Nutzsignal zu Hintergrundrauschen. Ein hohes SNR ist entscheidend für die Reichweite.
Nicht kooperative Drohne
Tactics
Eine Drohne, die sich nicht selbst zu erkennen gibt: keine gesendete Kennung (Remote ID) und gegebenenfalls keine auswertbare Funkverbindung zum Piloten, etwa bei einem autonom abgeflogenen Wegpunktkurs. Solche Ziele sind für Remote-ID- und RF-Verfahren unsichtbar und der Grund, warum ein Radarkanal ergänzend nützlich ist.
Track-Gültigkeit
AI / ML
Die vorgelagerte Entscheidung, ob ein Track überhaupt ein physisches Flugobjekt beschreibt oder nur Clutter beziehungsweise ein Verarbeitungsartefakt ist. Sie wird bewusst vor jeder semantischen Bewertung getroffen: Bewegte Vegetation und Mehrwegeausbreitung erzeugen trackähnliche Strukturen, die keiner Objektklasse zugeordnet werden sollten.
Unknown
AI / ML
Ein eigenständiges Ergebnis, keine Fehlfunktion. Reicht die Evidenz für eine belastbare Zuordnung nicht aus, wird der Track als unsicher gemeldet, statt eine Klasse zu erzwingen. Für eine Leitstelle ist eine ausgewiesene Unsicherheit brauchbarer als eine falsch sichere Klassenangabe.
Detektionswahrscheinlichkeit (Pd)
AI / ML
Der Anteil der Fälle, in denen ein tatsächlich vorhandenes Ziel erkannt wird. Pd ist keine Gerätekonstante, sondern eine Funktion von Entfernung, Zielklasse, Flugprofil und Umgebung – und deshalb nur als Kurve über der Entfernung sinnvoll angebbar, nicht als einzelne Prozentzahl.
Ground Truth
AI / ML
Die unabhängige Referenz darüber, was tatsächlich in der Luft war – etwa eine instrumentierte Zieldrohne oder eine synchronisierte optische Aufnahme mit manueller Bewertung. Ohne sie misst eine Auswertung nur die Selbstauskunft des Systems. Nicht sicher bestimmbare Fälle werden ausgeschlossen statt geraten.
Link-Budget
Physics
Die Bilanzrechnung, die aus Sendeleistung, Antennengewinn, Bandbreite, Integrationszeit, Rauschzahl und Ziel-Radarquerschnitt eine erreichbare Reichweite herleitet. Sie liefert eine modellierte Reichweite – keine gemessene: Detektor-, Gruppierungs- und Trackerverluste sind darin nicht enthalten.
