Systemablauf
Die Verarbeitungskette von der ersten Bewegung bis zur nachvollziehbaren Ereignisausgabe Schritt für Schritt erkunden.
Systemablauf öffnenDie Verarbeitungskette von Ozense: welche Stufe welches Problem löst, was auf welcher Hardware läuft und wo die Grenzen des heutigen Stands liegen.
Die Ozense-Technologie ist eine Verarbeitungskette aus 77-GHz-FMCW-Radar, Detektion in der Range-Doppler-Ebene mit adaptiver Schwelle (CFAR), Tracking über die Zeit, konservativer Zielbewertung mit expliziter Klasse „Unknown“ und lokaler Edge-Auswertung am Standort. Das Ergebnis ist kein Videobild, sondern ein überprüfbares Ereignis mit Ort, Bewegung und Bewertung für die Leitstelle.
Das Radarsystem arbeitet mit FMCW-Wellenformen und mehreren Sende- und Empfangskanälen. Bei einer MIMO-Konfiguration können Sende-/Empfangskombinationen virtuelle Antennenelemente bilden. Die dadurch vergrößerte virtuelle Apertur liefert zusätzliche räumliche Information für die Winkelschätzung. Ein größerer virtueller Antennenverbund bedeutet dabei nicht automatisch einen entsprechend höheren SNR-Gewinn; Apertur, Winkelinformation und Signalgewinn sind getrennt zu betrachten.
Kleine Drohnen sind für Radar anspruchsvolle Ziele: Ihr Radarquerschnitt kann klein sein und sich stark mit Aspektwinkel, Bauform und Material verändern. Waveform, Detektion und zeitliche Verarbeitung müssen deshalb auf diesen Zieltyp abgestimmt werden.
Range- und Doppler-FFT erzeugen eine Entfernungs-Geschwindigkeits-Karte. Adaptive Clutter-Unterdrückung reduziert statische und wiederkehrende Szeneanteile. Die Parametrierung zielt darauf, langsam bewegte relevante Ziele möglichst zu erhalten. Eine adaptive Detektionsschwelle passt sich dem lokalen Störpegel an, statt einen festen Wert zu setzen.
Der Tracker verknüpft Detektionen über die Zeit, schätzt den Bewegungszustand und überbrückt kurze Aussetzer. Ein Track wird erst nach mehreren konsistenten Beobachtungen bestätigt – das kostet Reaktionszeit, verhindert aber, dass jede zufällige Detektion als Ziel erscheint.
Bewegte Vegetation, Mehrwegeausbreitung und Artefakte erzeugen trackähnliche Strukturen. Die Track-Validierung bewertet, ob aufeinanderfolgende Detektionen räumlich und zeitlich mit einem konsistenten Ziel vereinbar sind. Dadurch lassen sich instabile Detektionen sowie typische Clutter-, Multipath- und Verarbeitungsartefakte reduzieren – bevor eine Aussage über die Art des Ziels getroffen wird.
Erst ein gültiger Flugobjekttrack wird bewertet: Drohne, Vogel bzw. anderes Flugobjekt oder Unknown. Für die Klassifikation können unter anderem Bewegungsdynamik, Micro-Doppler-Strukturen, Rückstreueigenschaften und zeitliche Trackmerkmale gemeinsam ausgewertet werden. Ein einzelnes Merkmal reicht für eine belastbare Unterscheidung nicht aus. Die Auswertung erfolgt lokal.
Ein Klassifikator, der bei dünner Evidenz eine Klasse erzwingt, erzeugt selbstbewusste Fehlentscheidungen – für eine Leitstelle die teuerste Fehlerart, weil sie Vertrauen kostet. Reicht die Evidenz nicht, wird der Track als unsicher gemeldet.
| Aspekt | Aktuelle Festlegung |
|---|---|
| Sensorplattform | mmWave-FMCW-Radar im Bereich um 77 GHz |
| Auswertung | lokale Verarbeitung der Radardaten |
| Wo läuft die Klassifikation | auf der Edge-Einheit, nicht auf dem Radar-SoC |
| Cloud | für Detektion und Alarmierung nicht erforderlich |
| Rohdaten im Standortnetz | für übergeordnete Systeme primär Tracks, Ereignisse und Klassifikationsergebnisse; Rohdaten können für Entwicklung, Validierung und Diagnose aufgezeichnet werden |
| Kamera | vorhandene PTZ ereignisgesteuert; keine dauerhafte Videoaufzeichnung vorgesehen |
| Integration | nachgelagerter Pfad zu VMS/EMA/PSIM; kein Hersteller festgelegt |
| Aktive Abwehr | ausdrücklich nicht Teil des Systems |
Die Verarbeitung kombiniert adaptive Detektion, Clutter-Unterdrückung, räumlich-zeitliche Trackbildung und die Auswertung charakteristischer Radarsignaturen. Informationen über mehrere Messzyklen werden zusammengeführt, bevor ein Ziel klassifiziert oder als unsicher behandelt wird. Eine spätere Verlagerung weiterer Schritte auf den Radar-DSP wäre ein Optimierungsziel, keine bereits belegte Eigenschaft.
Die Verarbeitungskette von der ersten Bewegung bis zur nachvollziehbaren Ereignisausgabe Schritt für Schritt erkunden.
Systemablauf öffnenDie geplanten Baugruppen des MVP-Sensorknotens in einer interaktiven Explosionsdarstellung ansehen.
Sensorknoten ansehenDie Fehlalarmleistung eines Detektionssystems lässt sich nicht sinnvoll mit einer einzigen Prozentzahl beschreiben. Ozense misst sie deshalb als Funnel: Jede Stufe reduziert das Aufkommen an der nächsten, und jede Stufe wird einzeln ausgewiesen. Warum eine Fehlalarmzahl ohne Angabe der Messstufe bedeutungslos ist, steht unter Drohnendetektion messen.
| Stufe | Gemessener Ausgang |
|---|---|
| Detektor | Rohkandidaten pro Zeiteinheit |
| Tracker | bestätigte, fragmentierte und verworfene Tracks |
| Track-Gültigkeit | physische Zieltracks gegenüber Clutter/Artefakten |
| Semantische Bewertung | Drohne, Vogel/anderes Flugobjekt, Unknown und Verwechslungen |
| Optionale Kamera | verifizierte, widerlegte und nicht verifizierbare Ereignisse |
| Leitstelle | tatsächlich angezeigte Alarme und End-to-End-Latenz |
Es werden weder Vogel-Basisraten noch zulässige Fehlalarmwerte erfunden. Die standortspezifischen Eingangs- und Basisraten werden in realen Messkampagnen erhoben; Zielkorridore werden vor der jeweiligen formalen Auswertung festgelegt und danach nicht mehr verschoben.
Fachlicher Widerspruch ist willkommen – besonders von Radar-, Mess- und Integrationsseite.
Technischen Austausch anfragenDer Track bleibt ausdrücklich unbestimmt. Das ist eine bewusste Systementscheidung: Ein Klassifikator, der bei dünner oder widersprüchlicher Datenlage eine Klasse erzwingt, erzeugt selbstbewusste Fehlentscheidungen — genau die kosten in einer Leitstelle Vertrauen. Ozense bewertet daher konservativ und macht Unsicherheit sichtbar.
Ja. Detektion und Alarmbewertung sollen vollständig am Standort laufen, auf einer Edge-Einheit je Radarknoten. Eine Cloud ist dafür nicht erforderlich, was Latenz und Verfügbarkeitsabhängigkeiten reduziert. Der aktuelle Architekturentwurf vermeidet außerdem eine Rohdatenübertragung über das Standortnetz.
Nein, das ist nicht vorgesehen. Der Radarkanal erfasst keine optischen Bilddaten. Eine vorhandene PTZ-Kamera soll nur bei einem relevanten Radarkandidaten ausgerichtet werden, sofern Sichtbedingungen und Zielgeometrie das zulassen. Eine dauerhafte Videoaufzeichnung ist nicht Teil der Zielarchitektur. Das automatische PTZ-Cueing selbst ist ein Entwicklungsziel und im Feld noch nicht belegt.
Der ortsfeste Betrieb ist gesondert zu klären und nicht automatisch zulässig. Die Allgemeinzuteilung für Kfz-Kurzstreckenradare begründet keine automatische Zulässigkeit eines stationären Betriebs. Ozense führt die Klärung in getrennten Stufen für eigene Forschung, ortsfesten Pilotbetrieb auf fremdem Gelände und späteren Produktbetrieb; ein Antrag für die Forschungsnutzung liegt bei der Bundesnetzagentur vor, die Rückmeldung steht aus.
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